ein Faserverzückter Jahresrückblick

Auch dieses Jahr ruft Distelfliege von Die Urbanen Spinnstube auf, dass eigene Craftingjahr Revue passieren zu lassen. Nun war ich am überlegen, ob ich dieses Jahr wieder mitmachen möchte – im letzten Jahr setzte ich aus – und ob es denn überhaupt was zu berichten gäbe.
Gefühlt habe ich wenig in diesem Jahr gemacht. Immernoch brauche ich viel Rückzug, muß ich viel Energie aufwenden, um meine Depri-Fallen zu umgehen und mich zu fokussieren. Unter anderen auch aus diesen Gründen hatte ich im letzten Jahr mit dem Jahresrückblick ausgesetzt, nachdem ich mich vorher, trotz ambivalentem Gefühl, doch für ein paar Crafting-Aktionen, wie dem November Wickelknäul oder einen Faseradventskalender entschieden hatte. Aber es ging bei dem wenigen nicht nur um haushalten mit Energien, sondern auch… oder vor allem um ausmisten und sich um- und neuzuorientieren. Das lässt sich gut an dem ersten Projekt, das in 2017 fertig wurde sehen.

Das erste Projekt, welches ich 2017 fertig gestellt hatte war das November Wickelknäul:

novickel

In der queer-feministischen Craftingbubble haben wir uns gegenseitig kleine Überraschungen in ein Knäul gewickelt, die dann nach und nach beim Stricken frei werden. An sich eine ganz schöne Aktion. Allerdings musste ich sowohl von der Person, die mir das Knäul gewickelt hat Abstand nehmen, aus dem ich diese Scatterby Socks by Amy Stringer gestrickt habe, als auch von der Person, die von mir ein Knäul bekommen hatte. In beiden Fällen wegen queer- und Schwulenfeindlichkeit, die sich in populistischem queer-Feminismus in den letzten Jahren festgesetzt hat und auch eher gerechtfertigt als reflektiert wird.

Daraus ergibt sich für mich grade ein Ausmisten, Loslassen und Verabschieden von diesem diffusen Communitygedanken: dass Personen über persönliche Kontakte hinaus, rund um einen kleinen gemeinsamen Nenner eine Community bilden (konnen). Entnetzung statt Vernetzung. Vereinzelung wirkt.

Aber es ergibt sich auch eine Neuorientierung. Anfang des Jahres habe ich angefangen Stricken als künstlerisches Ausdrucksmittel zu erforschen, neben den üblichen Socken, die ich so während des Jahres am stricken bin. Das fühlt sich zwar sehr richtig an, aber das Reden darüber oder das Präsentieren ist noch seeehr ungewohnt, weswegen ich es damit auch an dieser Stelle belasse.

In der ersten Jahreshälfte habe ich den Faseradventskalender versponnen, ich war auf dem Leipziger Wollefest und habe dort etwas geschoppt, gestöbert und liebe Menschen getroffen. Im Mai habe ich Socken aus einhornpupsig glitzerbuntem Garn von Hauptstadtfarbe gestrickt:

Faseradventskalender2016

Wollefest LE beute

cosmic fart

Bei der Tour de Fleece habe ich dieses Jahr auch wieder mitgemacht. Wie ich in meinem Fazit eben noch einmal nachgelesen habe, fand ich diese Tour vergleichbar mit den Jahren davor, war aber evtl etwas weniger enthusiastisch. Rückblickend hat sie mir Spaß gemacht und das Garn wurde auch gleich für die Kunst bestimmt, an der ich in der 2ten Hälfte des Jahres hauptsächlich gesponnen und gestrickt habe.

TDF17_Ziel

Skizze 2

Es sind wirklich nicht superviele Projekte in diesem Jahr geworden, keine Sweater und keine neuen Tücher, ich habe an keinen KALs teilgenommen oder neue Techniken gelernt. Auch dieses Jahr ist Häkeln nicht zu meinen Handarbeitstechniken dazugekommen. Das Weben kam sehr kurz, da mir mein derzeitiges Projekt nicht viel Spaß macht, aber nicht einfach einen Zweitwebrahmen zur Verfügung habe oder mal eben ein Projekt abnehmen kann um an was anderem zu arbeiten. Aber jetzt wo ich darüber Nachdenke, sollte ich mal überlegen wie es damit weiter gehen soll.
Was ich auch dieses Jahr wieder notwendigerweise aber auch gerne getan habe ist: Stopfen. So habe ich mein Daybreak zum Beispiel erst vor kurzem stopfen müssen, und habe es nochmal neu geblockt. ich hoffe dass ich es jetzt auch wieder häufiger tragen werde.

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Mein Stash hat sich sicher erweitert im Jahr 2017. Ein paar Garne habe ich auf dem Leipziger Wollefest und auch bei Berlin Knits gekauft. Einige Garne habe ich geschenkt bekommen, während ich nicht so viel Garn verstrickt habe. Durch das Spinnen kommt ja auch immer wieder was dazu, wobei ich in der 2ten Jahreshälfte sehr zielgerichtet für die Kunst gesponnen habe, sehr Produktorientiert. Allerdings habe ich deswegen meinen recht gut gefüllten Faserstash just zum Ende des Jahres nochmal mit einem _kleinen_ Wollböbbel aufstocken müssen:

I needed a little more #wool #handspun #fiber

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Mit einer Zusammenfassung, dem Fazit und den Ausblicken mag ich mich zurückhalten, aber zum Abschluß noch eine musikalische Neuentdeckung teilen:

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Etappe 21: Montgeron – Paris

Das Ziel der TourDeFleece ist erreicht, nachdem ich bei der letzten Etappe nochmal einen kleinen Sprint eingelegt habe. Naja, zumindest habe ich gestern einen Single von ~33g gesponnen, was ich während der Tour auch manchmal nur in zwei Etappen geschafft habe. Allerdings habe ich bei der ersten Bergetappe nicht nur das, sondern auch noch gezwirnt und am Spindelprojekt gesponnen. Mit sportlichem Ehrgeiz wäre bei diesem Endspurt also noch mehr drin gewesen, der mir aber doch eher fehlt.

Ansonsten bin ich mit der Tour ganz zufrieden, ich habe mit einem Tag Ausnahme, an dem es zeitlich einfach nicht mehr drin war, jeden Tag gesponnen, oft länger als die 15min, die ich mir als Minimum gesetzt habe. Die Tour war ich nicht ganz so enthusiastisch wie schon bei anderen Touren der letzten Jahre, ich musste mich manchmal ganz schon Schleppen und hatte einige sehr müde und erschöpfte Phasen. Allerdings bin ich ganz froh, letztes Jahr hatte ich ganz anders mit Depression zu kämpfen.

TDF17_Ziel

Geschafft habe ich dieses Jahr 3 Stränge dreifädig gezwirntes Garn aus Corridale, zusammen 308g. Dazu kommt ein weiterer Single von ~33g und etwa 37g von dem grünen Alpaca: auf der Spindel und der grünen Spule. Was auf dieser Spule zu sehen ist, wurde zum größten Teil vor der Tour gesponnen aber während der Bergetappe umgespult. Alles zusammengenommen ist von dem Ergebnis vergleichbar mit den anderen Jahren, vielleicht ein bisschen weniger.

TDF17_Ziel

 

TDF17_day22

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Etappe 20: Marseille – Marseille
1 day to go.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich gestern neben dem Haspeln, Baden und Trockenenlassen irgendwie mehr Etappe zustande bekomme. Aber ich habe (und das in sehr netter Runde) doch ein paar Gramm auf der Spindel gesponnen. Es sind insgesamt jetzt ~22g auf der Spindel.

 

TDF17_day21

TDF17_day21

Etappe 19: Embrun – Salon-de-Provence
2 days to go.

In der Nacht habe ich mich hingesetzt und gezwirnt. Mein 3ter Strang Corridale ist fertig. Nun Ja, ich muß ihn noch haspeln und baden, was ich jetzt gleich machen werde, weil evtl. damit meine heutige Etappe erledigt ist, da ich noch nicht weiß, ob ich später am Tag zum spinnen kommen werde.

 

TDF17_day19

TDF17_day19

Etappe 17: La Mûre – Serre-Chevalier

Ich habe ein Paar Socken fertig gestrickt beim gestrigen queer-feministischen Stricktreff, und auch ein paar wenige Gramm auf der Spindel gesponnen, aber es war eine Etappe. Viel Spaß´hatte ich auch, also alles gut.

TDF17_day18

TDF17_day18

Etappe 16: Le Puy-en-Velay – Romans-sur-Isère

Noch 5days to go.
Über gestern kann ich nicht allzuviel verraten, aber ich habe mich gestern (eher heute, wenn es nach der Uhrzeit geht) noch an eine kurze Etappe gesetzt und ein paar Gramm gesponnen. Viel ist davon auf der Spule aber nicht zu sehen.